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Autor Thema: Gedichte, die man kennen sollte...  (Gelesen 23204 mal)

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Rene

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Re: Gedichte, die man kennen sollte...
« Antwort #15 am: 27. April 2007, 01:01:39 »

Also kleines Gegengewicht zum guten Goethe hier mal eine andere Richtung
und zwar vom einzigen, den Goethe als besser als sich selbst anerkannt hat.

Und lange genug tot ist er auch (nunmehr 391 Jahre!) und darf eh auf keinen Fall fehlen,
gehört er doch zu den größten aller Zeiten:
WILLIAM SHAKESPEARE

Seine Sonette gehören zu dem, was man unbedingt kennen sollte, daher spendiere ich hier mal das


"Sonett I

Wir wünschen Blüte der Vollkommenheit,
Auf daß der Schönheit Rose nie verdorrt,
Doch ist dem Tod die reife Frucht geweiht,
So pflanz' ein Erbe ihr Gedächtnis fort.
Du lebst nur dir, der Schönheit Selbstgenuß,
Schürst eignen Glanz, der dich verzehrend scheint,
Schaffst Hungersnot aus reichem Überfluß,
Grausam dir selbst gesinnt, dein eigner Feind.
Heut bist du noch der frische Schmuck der Welt,
Der einz'ge Herold für des Frühlings Reiz,
Doch wenn dein Schatz in einer Blüte fällt,
Wird zur Verschwendung, süßer Filz, dein Geiz.
Hab' Mitleid, birg nicht überreiche Gabe,
Der Welt Anrecht, in dir und in dem Grabe."


« Letzte Änderung: 29. April 2007, 22:03:43 von Rene »
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Rene

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Re: Gedichte, die man kennen sollte...
« Antwort #16 am: 27. April 2007, 01:02:56 »

Und wer wie ich lieber das Original nimmt: bitte sehr...!


Sonett I

From fairest creatures we desire increase
That thereby beauty?s rose might never die,
But as the riper should by time decease,
His tender heir might bear his memory:
But thou contracted to thine own bright eyes,
Feed?st thy light?s flame with self-substantial fuel,
Making a famine where abundance lies,
Thyself thy foe, to thy sweet self too cruel.
Thou that art now the world?s fresh ornament
And only herald to the gaudy spring,
Within thine own bud buriest thy content,
And, tender churl, mak?st waste in niggarding.
Pity the world, or else this glutton be,
To eat the world?s due, by the grave and thee. 

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Rene

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Georg Trakl
« Antwort #17 am: 30. April 2007, 10:32:08 »

[Noch ein Expressionist und noch ein Mensch,
den der Krieg in den Selbstmord getrieben hat.]


Georg Trakl (1887-1914)


De profundis

Die Totenkammer ist voll Nacht
Mein Vater schläft, ich halte Wacht.

Des Toten hartes Angesicht
Flimmert weiß im Kerzenlicht.

Die blumen duften, die Fliege summt
Mein Herz lauscht fühllos und verstummt.

Der Wind pocht leise an die Tür.
Die öffnet sich mit hellem Geklirr.

Und draußen rauscht ein Ährenfeld,
Die Sonne knistert am Himmelszelt.

Von Früchten voll hängt Busch und Baum
Und Vögel und Falter schwirren im Raum.

Im Acker mähen die Bauersleut'
Im tiefen Schweigen der Mittagszeit.

Ich schlag' ein Kreuz auf den Toten hin
Und lautlos verliert sich mein Schritt im Grün.

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Rene

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Re: Gedichte, die man kennen sollte...
« Antwort #18 am: 24. September 2010, 14:31:38 »

Was wäre die Dichtung doch ärmer ohne den jungen Rilke (1875-1926):

Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

Aus: Neue Gedichte (1907)
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Jonas

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Re: Gedichte, die man kennen sollte...
« Antwort #19 am: 15. Dezember 2010, 22:17:47 »

Und Uhlands Schwäbische Kunde ist ein Muss für jeden Mittelalterfreak und alle die Galgenhumor und oder shcadenfreude besitzen! Hier ist es:

Als Kaiser Rotbart lobesam
zum heil'gen Land gezogen kam,
da mußt' er mit dem frommen Heer
durch ein Gebirge wüst und leer.
Daselbst erhob sich große Not.
Viel Steine gab's und wenig Brot.
Und mancher deutsche Reitersmann
Hat dort den Trunk sich abgetan.

Den Pferden ward so schwach im Magen,
fast mußt der Reiter die Mähre tragen.

Nun war ein Herr aus Schwabenland,
von hohem Wuchs und starker Hand.
Des Rößlein war so krank und schwach,
er zog es nur am Zaume nach.

Er hätt' es nimmer aufgegeben,
und kostet's ihn das eig'ne Leben.
So blieb er bald ein gutes Stück
hinter dem Heereszug zurück.

Da sprengten plötzlich in die Quer
fünfzig türkische Reiter daher!
Die huben an, auf ihn zu schießen
nach ihm zu werfen mit den Spießen.

Der wackre Schwabe forcht' sich nit,
ging seines Weges Schritt vor Schritt,
ließ sich den Schild mit Pfeilen spicken
und tät nur spöttlich um sich blicken,

bis einer, dem die Zeit zu lang,
auf ihn den krummen Säbel schwang.

Da wallt dem Deutschen auch sein Blut.
Er trifft des Türken Pferd so gut,
er haut ihm ab mit einem Streich
die beiden Vorderfüß zugleich.

Als er das Tier zu Fall gebracht,
da faßt er erst sein Schwert mit Macht,
er schwingt es auf des Reiters Kopf,
haut durch bis auf den Sattelknopf,

haut auch den Sattel noch zu Stücken
und tief noch in des Pferdes Rücken.
Zur Rechten sah man wie zur Linken
einen halben Türken heruntersinken.

Da packt die andern kalter Graus,
sie fliehn in alle Welt hinaus,
und jedem ist's, als würd ihm mitten
durch Kopf und Leib hindurchgeschnitten.

Drauf kam des Wegs 'ne Christenschar,
die auch zurückgeblieben war;
die sahen nun mit gutem Bedacht,
welch Arbeit unser Held gemacht.

Von denen hat's der Kaiser vernommen,
der ließ den Schwaben vor sich kommen;
er sprach: "Sag an, mein Ritter wert!
Wer hat dich solche Streich gelehrt?"

Der Held besann sich nicht zu lang:
"Die Streiche sind bei uns im Schwang!
Sie sind bekannt im ganzen Reiche;
man nennt sie halt nur Schwabenstreiche!"
« Letzte Änderung: 15. Dezember 2010, 22:29:28 von Jonas »
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Re: Gedichte, die man kennen sollte...
« Antwort #20 am: 15. Dezember 2010, 22:23:54 »

hier noch ein anderes schönes:
Andreas Gryphius:
Betrachtung der Zeit:

Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen;
Mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen;
Der Augenblick ist mein, und nehm ich den in acht,
So ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.

Da wird man sich was bewusst wenn man das wegen eines Internetfehlers 2 mal Abschreiben muss...  :death:
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Re: Gedichte, die man kennen sollte...
« Antwort #21 am: 16. Dezember 2010, 18:44:25 »

Der römische Brunnen:

Conrad Ferdinand Meyer:
Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich
   Und strömt und ruht.


Auf den ersten Blick ist es oberflächlich, auf den zweiten auch aber auf den dritten hat es einen tieferen Sinn.
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Fenris der Wolfige

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Re: Gedichte, die man kennen sollte...
« Antwort #22 am: 24. Dezember 2010, 00:25:55 »

So, das Gedicht muss ich jetzt posten.

Wenn der Fenriswolf Dich ruft
aus der tiefen dunklen Gruft,
folge ihm ganz brav und froh,
eh er Dich holt schrecklich roh.

Sohn von Loki und der Range,
Bruder Sleipnirs und der Schlange,
trotzt im Ragnarök dem Vater,
frisst Odin den Göttervater.

Gleipnir, starker Strick der Zwerge,
band zusammen ihn zum Berge.
Dieser Strick nur konnt ihn halten,
Odin hat hier streng gewalten.

Endlich wurde er befreit,
ist zu neuem Kampf bereit.
Töten tut er nicht aus Lust,
Hass hegt er in seiner Brust.

Niemand kann ihn jemals zähmen,
niemand seine Kräfte lähmen.
Geist und Stärke sind uralt,
Geist jedoch beherrscht Gewalt.

Keiner hat es je geschafft,
Mutter ist in ihm erwacht,
Götter sind nun alle tot,
nur Fenrir sieht noch rot!

Es ist von Pascale Eigensatz.
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Niemand kann ihn jemals zähmen,
niemand seine Kräfte lähmen.
Geist und Stärke sind uralt,
Geist jedoch beherrscht Gewalt.

Keiner hat es je geschafft,
Mutter ist in ihm erwacht,
Götter sind nun alle tot,
nur Fenrir sieht noch rot!

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Re: Gedichte, die man kennen sollte...
« Antwort #23 am: 15. Februar 2011, 08:40:51 »

Friedrich Schiller
Die Bürgschaft

     Zu Dionys dem Tirannen schlich
Damos, den Dolch im Gewande,
Ihn schlugen die Häscher in Bande.
Was wolltest du mit dem Dolche, sprich!
Entgegnet ihm finster der Wütherich.
?Die Stadt vom Tyrannen befreien!?
Das sollst du am Kreutze bereuen.

     Ich bin, spricht jener, zu sterben bereit,
Und bitte nicht um mein Leben,
Doch willst du Gnade mir geben,
Ich flehe dich um drey Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit,
Ich lasse den Freund dir als Bürgen,
Ihn magst du, entrinn ich, erwürgen.

     Da lächelt der König mit arger List,
Und spricht nach kurzem Bedenken:
Drey Tage will ich dir schenken.
Doch wisse! Wenn sie verstrichen die Frist,
Eh du zurück mir gegeben bist,
So muß er statt deiner erblassen,
Doch dir ist die Strafe erlassen.

     Und er kommt zum Freunde: ?der König gebeut,
Daß ich am Kreutz mit dem Leben
Bezahle das frevelnde Streben,
Doch will er mir gönnen drey Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit,
So bleib du dem König zum Pfande,
Bis ich komme, zu lösen die Bande.

     Und schweigend umarmt ihn der treue Freund,
Und liefert sich aus dem Tyrannen,
Der andere ziehet von dannen.
Und ehe das dritte Morgenroth scheint,
Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,
Eilt heim mit sorgender Seele,
Damit er die Frist nicht verfehle.

     Da gießt unendlicher Regen herab,
Von den Bergen stürzen die Quellen,
Und die Bäche, die Ströme schwellen.
Und er kommt an?s Ufer mit wanderndem Stab,
Da reisset die Brücke der Strudel hinab,
Und donnernd sprengen die Wogen
Des Gewölbes krachenden Bogen.

     Und trostlos irrt er an Ufers Rand,
Wie weit er auch spähet und blicket
Und die Stimme, die rufende, schicket;
Da stößet kein Nachen vom sichern Strand,
Der ihn setze an das gewünschte Land,
Kein Schiffer lenket die Fähre,
Und der wilde Strom wird zum Meere.

     Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht,
Die Hände zum Zeus erhoben:
O hemme des Stromes Toben!
Es eilen die Stunden, im Mittag steht
Die Sonne und wenn sie niedergeht,
Und ich kann die Stadt nicht erreichen,
So muß der Freund mir erbleichen.

     Doch wachsend erneut sich des Stromes Wuth,
Und Welle auf Welle zerrinnet,
Und Stunde an Stunde entrinnet,
Da treibet die Angst ihn, da faßt er sich Muth
Und wirft sich hinein in die brausende Flut,
Und theilt mit gewaltigen Armen
Den Strom, und ein Gott hat Erbarmen.

     Und gewinnt das Ufer und eilet fort,
Und danket dem rettenden Gotte,
Da stürzet die raubende Rotte
Hervor aus des Waldes nächtlichem Ort,
Den Pfad ihm sperrend, und schnaubet Mord
Und hemmet des Wanderers Eile
Mit drohend geschwungener Keule.

     Was wollt ihr? Ruft er für Schrecken bleich,
Ich habe nichts als mein Leben,
Das muß ich dem Könige geben!
Und entreißt die Keule dem nächsten gleich:
Um des Freundes Willen erbarmet euch!
Und drey, mit gewaltigen Streichen,
Erlegt er, die andern entweichen.

     Und die Sonne versendet glühenden Brand
Und von der unendlichen Mühe
Ermattet sinken die Knie:
O hast du mich gnädig aus Räubershand,
Aus dem Strom mich gerettet ans heilige Land,
Und soll hier verschmachtend verderben,
Und der Freund mir, der liebende, sterben!

     Und horch! Da sprudelt es silberhell
Ganz nahe, wie rieselndes Rauschen,
Und stille hält er zu lauschen,
Und sieh, aus dem Felsen, geschwätzig, schnell,
Springt murmelnd hervor ein lebendiger Quell,
Und freudig bückt er sich nieder,
Und erfrischet die brennenden Glieder.

     Und die Sonne blickt durch der Zweige Grün,
Und mahlt auf den glänzenden Matten
Der Bäume gigantische Schatten,
Und zwey Wanderer sieht er die Straße ziehn,
Will eilenden Laufes vorüber fliehn,
Da hört er die Worte sie sagen:
Jetzt wird er ans Kreutz geschlagen.

     Und die Angst beflügelt den eilenden Fuß,
Ihn jagen der Sorge Qualen,
Da schimmern in Abendroths Strahlen
Von ferne die Zinnen von Syrakus,
Und entgegen kommt ihm Philostratus,
Des Hauses redlicher Hüter,
Der erkennet entsetzt den Gebieter:

     Zurück! Du rettest den Freund nicht mehr,
So rette das eigene Leben!
Den Tod erleidet er eben.
Von Stunde zu Stunde gewartet? er
Mit hoffender Seele der Wiederkehr,
Ihm konnte den muthigen Glauben
Der Hohn des Tirannen nicht rauben.

     Und ist es zu spät, und kann ich ihm nicht
Ein Retter willkommen erscheinen,
So soll mich der Tod ihm vereinen.
Deß rühme der blutge Tirann sich nicht,
Daß der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht,
Er schlachte der Opfer zweye,
Und glaube an Liebe und Treue.

     Und die Sonne geht unter, da steht er am Thor
Und sieht das Kreutz schon erhöhet,
Das die Menge gaffend umstehet,
An dem Seile schon zieht man den Freund empor,
Da zertrennt er gewaltig den dichten Chor:
?Mich Henker! ruft er, erwürget,
Da bin ich, für den er gebürget!?

     Und Erstaunen ergreifet das Volk umher,
In den Armen liegen sich beide,
Und weinen für Schmerzen und Freude.
Da sieht man kein Auge thränenleer,
Und zum Könige bringt man die Wundermähr,
Der fühlt ein menschliches Rühren,
Läßt schnell vor den Thron sie führen.

     Und blicket sie lange verwundert an,
Drauf spricht er: Es ist euch gelungen,
Ihr habt das Herz mir bezwungen,
Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn,
So nehmet auch mich zum Genossen an,
Ich sey, gewährt mir die Bitte,
In eurem Bunde der dritte.

1798 / 1804
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Rene

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Re: Gedichte, die man kennen sollte...
« Antwort #24 am: 22. Februar 2011, 20:48:45 »

Eines der berühmtesten deutschen Gedichte überhaupt:

HEINZ ERHARDT - DIE MADE

Hinter eines Baumes Rinde
wohnt die Made mit dem Kinde.
Sie ist Witwe, denn der Gatte,
den sie hatte, fiel vom Blatte.
Diente so auf diese Weise
einer Ameise als Speise.

Eines Morgens sprach die Made:
Liebes Kind, ich sehe grade,
drüben gibt es frischen Kohl,
den ich hol. So leb denn wohl.
Halt! Noch eins, denk', was geschah,
geh' nicht aus, denk' an Papa!

Also sprach sie und entwich -
Made junior jedoch schlich
hinterdrein, und das war schlecht,
denn schon kam ein bunter Specht
und verschlang die kleine fade
Made ohne Gnade. - Schade.

Hinter eines Baumes Rinde
ruft die Made nach dem Kinde.

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DonChichote

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Re: Gedichte, die man kennen sollte...
« Antwort #25 am: 26. April 2013, 01:37:37 »

sind echt schöne dabei :)
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Markus

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« Antwort #26 am: 19. Mai 2014, 19:31:53 »

Der Kopf muss wohl das Beste leisten,
ihn gut zu schützen, gilt´s am meisten:

Den Eisenkopf vor frühem Rost,
den Wasserkopf vor starkem Frost,
den Hitzkopf vor zu großer Hitze,
den Schlaukopf vor dem eig´nen Witze.

Der Dummkopf nur, der keinem nützt,
gedeiht auch völlig ungeschützt!


Ich meine von Eugen Roth...
« Letzte Änderung: 19. Mai 2014, 19:33:30 von Markus »
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